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Feuerwehr Lintgen

Falls es an Zeugen des Zeitgeschehens fehlt, ist der Aktenbeleg das Wesen der Geschichte.

Auf Grund von zwar mangelhaften Aktenbelegen sei es daher erlaubt einen Einblick in die Entstehungsgeschichte unserer Feuerwehr zu wagen.
Das genaue Datum der Gründung unserer Wehr im Jahre 1870 sowie die Namen der Gründungsmitglieder sind leider nicht mehr festzustellen, doch erhalten wir einerseits aus dem ersten, vom Landesfeuerwehrverband herausgegebenen Kalender aus dem Jahre 1885, Kunde von unseren Vorfahren, die bei der Gründung des Landesfeuerwehrverbandes diesem beitraten. Andererseits kann man im Verkündungsbuch der Pfarrei folgendes nachlesen. Im Jahre 1921 am 6. Juni wurde ein Hochamt gefeiert für die Mitglieder und Ehrenmitglieder der Feuerwehrgesellschaft und des Kirchengesanges zum 50 jährigen Stiftungsfest.

Also kann man doch festhalten dass die Gründung beziehungsweise der Zusammenschluss von Leuten zu einem Feuerwehrkorps, sei es auf freiwilliger Basis oder sei es auf Geheiß der Gemeindeverwaltung im Jahre 1870 vollzogen wurde.

Die in den Gemeindearchiven aufbewahrten Deliberationsregister geben uns nur inkohärenten Aufschluss über das Feuerlöschwesen aus der Vergangenheit in unserer Gemeinde. In einem Bericht der Gemeinderatssitzung vom 13. Dezember 1824 stellen wir erstmals fest, dass vom Feuerlöschwesen etwas erwähnt wurde. Im Jahre 1827 kauft die Gemeindeverwaltung eine Pumpe zum Feuerlöschen, sowie Leitern und ein Dutzend Eimer. Im Gemeindebudget von 1848 steht ein Kredit eingeschrieben zum Ankauf von Eimern und Feuerlöschinstrumenten und weiter steht es unter diesem Budgetartikel: „la compagnie le Sauveur ayant promis une pompe à feu“. Diese versprochene Pumpe scheint eingetroffen zu sein, da bereits in dem darauffolgenden Jahr im Artikel 70 des Budgets ein Kredit vorgesehen ist; „gegebenenfalls zum Instandsetzen der Feuerlöschpumpe“ Bei der Aufstellung des Budgets 1851 steht im Artikel 70 bei den Ausgaben die große Offenbarung, nämlich da wird zuerst von Feuerwehrleuten geredet. Hier der genaue Wortlaut: „Dépenses art 70 (même montant) pour réparer la pompe et 40 francs pour indemnités aux pompiers.

Es ist also das Jahr 1850, in welchem das Budget für das Jahr 1851 aufgestellt wurde, die Bezeichnung “pompiers“ zum ersten Mal erfolgte. Man könnte also das Jahr 1850 vielleicht nicht als Gründungsjahr annehmen, aber mit Sicherheit als das Jahr in welchem nachweisbar eine Feuerwehr in Lintgen bestanden hat.

Aber auch im hundertjährigen Buch des Landesfeuerwehrverbandes steht zu lesen dass bereits am 12. November 1862 die Wehr Lintgen bei einer Lagebesprechung beim Hüttenbesitzer Edouard Metz in Eich teilgenommen hat, zwecks Gründung eines Landesverbandes

Auffällig im Budget 1875 ist die Gewährung eines Subsides von 100- Franken an das „Pompjeeskorps“ und ein außergewöhnliches Subsid von 120 Franken an das nämliche corps“ für neue Uniformen. Die Feuerwehr scheint also schon länger als Verein bestanden zu haben und zwar mit Uniformen, welche sicherlich abgenutzt waren und die Anschaffung von neuen sich daher aufdrängte.

Dass unsere wackeren Vorfahren auch schon feuertechnisch auf der Höhe waren, können wir im oben besagtem Kalender nachlesen. Dort ist vermerkt, das im Monat Mai 1984 in Prettingen eine Feuersbrunst ausgebrochen war, welche die freiwillige Feuerwehr Lintgen zu meistern verstand.

Aus alten Reglementen könne wir ersehen dass diese Wehr sehr straff geführt wurde und dass sehr viel Sorgfalt auf das gute Benehmen ihrer Mitglieder gelegt wurde.
Schon um die Jahre 1890 scheint eine Umgruppierung erfolgt zu sein, und wir erfahren von der Gründung der Feuerwehr-Gesanggesellschaft, welche im Jahre 1896 ihre Fahnenweih feierte. Es war dies die zweite Fahne der Feuerwehr.

Es ist selbstverständlich, dass die wackeren nur mit primitivsten Löschmaterial ausgestattet waren, da die technische Entwickelung noch in den Kinderschuhen steckte. Diesem sollte jedoch sehr schnell abgeholfen werden, denn Kommandant Nik Maegen, sekundiert von Unterkommandanten Schoellen Jean, hatte sich zur Aufgabe gemacht, die Wehr mit neuem Material auszurüsten und sie feuerschutztaktisch auszubilden.. Dass die Ausbildung der freiwilligen Feuerwehr nach festgelegten Dienstvorschriften ausgeführt wurde, ersehen wir aus Schriften, herausgegeben vom Landesverband.

Anfang der dreißiger Jahren kam es zu einer Trennung in der Feuerwehr- Gesanggesellschaft. Ein Teil der Mitglieder gründete 1932 den heutigen Gesangverein „Sainte Cécile“ während die restlichen Mitgliedern der Feuerwehr treuelieben. Im Jahre 1933 am Christi-Himmelfahrtstag fand im Beisein des Kantonalverbandes und der Gemeindeverwaltung die Gründungsversammlung der neuen Wehr statt..
Nach dem Krieg entstanden wie vielerorts auch hier Unstimmigkeiten mit der Gemeindeverwaltung und so kam es im Jahre 1947 zur Auflösung der freiwilligen Feuerwehr Lintgen.

So mussten im Oktober 1947, beim Brand der Kartonagefabrik des Herrn Faber Jean die Löscharbeiten von einer Anzahl freiwilliger Dorfbewohner mit den Gemeindearbeitern ausgeführt werden.
Wie immer bei unorganisierten oder schlecht koordinierten Unternehmen wurden auch hier krasse Mängel festgestellt. Das Fehlen einer straff geführten Feuerwehr machte sich hier besonders bemerkbar. Immer zahlreicher wurden die Stimmen, die energisch die Neugründung einer Feuerwehr verlangten. Es dauerte immerhin noch bis zum Jahre 1949, bevor eine Reihe Jugendlicher sich zusammenfand und den Versuch unternahm, eine neue Wehr zu gründen. Der Versuch gelang und die Wehr wurde mit folgendem Vorstand vom Landesfeuerwehrverband genehmigt : Kommandant Léon Trierweiler, Unterkommandant Thekes Léonard, Schriftführer Donnersbach François, und Kassierer Roben Marcel.

Im Jahre 1954 wurde anlässlich der Einweihung des neuen Gemeindehauses der jungen Wehr ein neues Gerätehaus mit Garage, Versammlungslokal und Büroräumen zur Verfügung gestellt.
Im Jahre 1954 wurde der jungen Wehr die Organisation der Kantonaltagung übertragen, die zur vollsten Zufriedenheit aller beteiligten ausfiel.

Die aus dem Jahre 1943 stammende Motorpumpe war nicht mehr zeitgemäß und hatte durch Kriegseinwirkungen stark gelitten. Am 27. Mai 1956 wurde von der Gemeindeverwaltung der Wehr ein modernes Löschfahrzeug übergeben und in Dienst gestellt. Es war dies wohl der schönste Tag der Geschichte der Feuerwehr Lintgen, zumal es das erste Löschfahrzeug im Kanton Mersch war.
Im Jahre demissionierte Léon Trierweiler und Henri Birscheidt wurde zum Kommandanten ernannt.
Im Jahre 1961 wurde eine neue Fahne eingeweiht, da die alte aus dem Jahre 1934, durch die Kriegsjahre, wo sie vor den Okkupanten versteckt gehalten wurde, sehr gelitten hatte. Die Fahnenweih war mit einem nationalen Feuerwettbewerb verbunden.

In der folgenden Zeit wurde ständig am Ausbau der Wehr gearbeitet und ganz besonders mit starkem Akzent auf die Ausbildung und Fortbildung. Es wurden wöchentliche Übungen eingeführt. Beteiligung an großangelegten Übungen im In- und Ausland standen auf der Tagesordnung.
Im gleichen Jahr, gelegentlich der Reorganisation der " Protection Civile" wurde Lintgen von den Verantwortlichen ausgewählt um hier ein Interventionszentrum einzurichten und das nicht ohne Grund, wurden doch in Lintgen beide Funktionen "Protection Civile" und freiwillige Feuerwehr von denselben Leuten ausgeführt.

Am Heiligabend 1961, wurde dem Zivilschutzzenter Lintgen das erste Ambulanzfahrzeug der Marke Citroen Carrier überreicht.
Die freiwillige Feuerwehr erklärte sich spontan bereit, im Ambulanzdienst mitzuwirken, was heute noch zur allgemeinen Zufriedenheit aller Beteiligten geschieht.
Die "Brigade mobile des volontaires de la Protection civile" stand unter der Leitung von Brigadechef Herrn Schanck Jean-Pierre. Als beigeordneter Brigadechef fungierte Herr Birscheidt Henri Chef de corps der Wehr Lintgen. In Lintgen wurde der Hauptsitz vom "Service du Matériel et du Transport eingerichtet.

Am 20. April 1963, besuchte S.K.H. Erbgroßherzog Jean das "centre d'intervention" von Lintgen.
Am 2. Mai 1963 wurde in einer ehemaligen Tankstelle, gelegen in der rue principale in Lintgen die erste Werkstatt eingerichtet.
Nach den Einsätzen von zwei Jahren, bei welchen diese Stützpunkteinheit ihre Schlagkraft und ihre Überlegenheit besonders bei großen Brandkatastrophen und Umweltkatastrophen bewies, haben alle zuständige Instanzen und Fachkreise ihre Bedeutung erkannt.
Aus diesen Erkenntnissen und Gesichtspunkten kam man im Jahre 1965 auf die Idee in nationaler Stützpunkt einzurichten. Die Wahl des Sitzes dieser nationalen Basis fiel auf Lintgen und zwar weil ;
a) die seit 1961 hier bestehende Mannschaft aus idealistischen Freiwilligen sich bewährt hatte
b)die Funktionen der "Protection civile" und der freiwilligen Feuerwehr in Lintgen gut integriert waren
c)Lintgen im geographischen Mittelpunkt unseres Landes liegt.

Im Jahre 1965 übernahm Herr Birscheidt Henri die Funktion des "chef de centre" in Lintgen, die r bis zum Jahre 1978 zur vollsten Zufriedenheit aller ausführte, ihm stand Herr Marcel Roben als "chef de centre adjoint" zur Seite.

Die Unterkünfte für das vielfältige Material erwiesen sich ganz schnell als zu klein. Im Jahre 1970 wurde ein Architektenbüro mit der Ausarbeitung von Bauplänen für eine moderne Feuerwache beauftragt.

Am 6. Juli 1971 feierte die Wehr Lintgen ihr hundertjähriges Bestehen. Ein außergewöhnlicher Feiertag welcher sicherlich in die Annalen der Geschichte unserer Wehr eingegangen ist.

Seit 1972 wurde ein Bereitschaftsdienst eingeführt, um die Einsatzbereitschaft rund um die Uhr zu gewährleisten.
Am 10. Januar 1978 übernahm Herr Carlo Birscheidt die Geschicke der "Base nationale de support", ihm zur Seite steht noch bis zum heutigen Tage Fräulein Weiler Triny, sowie Paul Faber.

Im Jahre 1981 wurde das ausgediente Löschfahrzeug aus dem Jahre 1956 durch eine modernes Tanklöschfahrzeug TLF 16 ersetzt.

Am 2. Mai 1984 erfolgte die Grundsteinlegung für moderne, zeitgemäße Garagen und Unterkünfte mit Installationen für Freiwillige Feuerwehr und Protection civile.

Nach Beendung der Arbeiten konnten am 3.Mai 1986 in Präsenz vom S.K.H. Erbgroßherzog Henri und viel Prominenz aus dem öffentlichen Leben die neuen Räumlichkeiten ihren Bestimmungen übergeben werden.
Im Jahre 2001 sollten dann im Monat September die Einweihung der neuen Garagen für die Ambulanzwagen , sowie die neuen Instruktionssäle und Stockierungsräume feierlich eingeweiht werden. Ein Gebäude, welche durch die Mitfinanzierung der Nachbargemeinden Lorentzweiler, Steinsel, Walferdingen und Mersch ermöglicht wurde. Zu erwähnen bleibt noch dass bereits im Jahre 1983 die angeschafften Meldeempfänger(Piepserten) durch die vorgenannten Gemeinden mitfinanziert wurden.

Im Jahre 2002 wurde dieses Gebäude dann am Mai, in Präsenz zahlreicher Ehrengäste seinen Bestimmungen übergeben. Während zwei Tage fand unter Mitarbeit von Armee, Polizei, ausländischen Hilfsorganisationen und den Einheiten der Protection civile eine „Porte ouverte“ statt.

Die Wehr Lintgen steht im Jahre 2004 unter der Leitung von Herr Carlo Birscheidt ihm zur Seite stehen Schiltz Guy Unterkommandant, Schuller Henri Schriftführer, Rinnen Roland Kassierer und die Herren Cottong Claude, Hoffmann Mike, Schiltz Nico und Thill Pierrot als Sektionschefs.

Zur Zeit verfügt die Wehr Lintgen über 40 aktive Mitglieder zwischen 16 und 65 Jahren, davon sind 28 atemschutztauglich.

Jede Woche findet in Zusammenarbeit mit den Wehren Steinsel und Walferdingen wöchentliche Übungen statt.
Seit 1973 beteiligt sich die Wehr Lintgen auch auf sportlichen Plan bei den internationalen Feuerwehr-Olympiaden, welche alle vier Jahre auf CTIF-Ebene organisiert werden mit jeweils guten Ergebnissen.
Zum Schluss betrachten wir das Jahr 2003 etwas genauer: Bedingt dass unser Einsatzgebiet an der verkehrsreichsten Nordstrecke liegt musste die BNS bei 95 Verkehrsunfällen Verletzte bergen, 18 mal mussten die Freiwilligen für eine Brandbekämpfung ausrücken, davon auf lokaler Ebene und 12 Mal als Nachbarlöschhilfe, bei einer Gesamtzahl von 220 technischen Einsätzen entfielen deren 45 auf das Gebiet der Gemeinde Lintgen und 175 als nachbarliche Hilfseinsätze.

Betrachten wir die Einsätze pro Monat muss man feststellen dass sich rund 20 Einsätze pro Monat zu erledigen sind.
Analysieren wir die Ausfahrtzeiten in welchen die Einsätze ausgeführt werden stellen wir fest dass die meisten Vorfälle zwischen 12 und 20 Uhr anfallen.
Halten wir fest dass im Jahre 2003 im Ganzen zusätzlich zu den wöchentlichen Übungen und Einsätzen noch 99 praktische Übungen, Materialwartungen stattfanden. Es wurden 26517 km zurückgelegt und 2240 Stunden abgeleistet.

An fahrbarem Material stehen der B.N.S. Lintgen folgende Fahrzeuge zur Verfügung:
2 TLF 2400
2 MZW
2 TLF 3000 Wald
1 RW
1 TLF 10000
2 SW
1 TROTLF 3000
1 Kran ATF 50-3
1 DLK 2 WLF
1 ELW 2 MTW
5 GW

Die im Jahre 1967 gegründete Jugendsektion der Wehr Lintgen, derem Effektiv zur Zeit 20 Jugendliche zwischen 8 u. 16 Jahre angehören, stehen unter der Leitung von Dentzer Patrick, Kemp Jeannot und Mikolajczyk Tom. In Spiel und Spaß werden diese Jugendlichen , Mädchen und Jungen alle 14 Tagen auf ihren späteren Job vorbereitet.

Höhen und Tiefen sind in der 134 jährigen Vereinsgeschichte der Wehr Lintgen erlebt worden. Aber mit Geschick, Ausdauer, Kompetenz und Taktgefühl wurden Talsohlen durchquert bis der Weg wieder zur Höhe führte. Leute wurden ausgebildet, Mannschaften aufgebaut, die bereit sind ihre freiwillige, ehrenamtliche und humanitäre Aufgabe im Dienste der Mitbürger zu erfüllen.


Zum Schluss sei uns erlaubt, an dieser Stelle festzuhalten dass zwischen unserer Wehr und der Gemeindeverwaltung ein ausgezeichnetes gutes Verhältnis besteht.


Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Gemeindeverantwortlichen für die finanzielle und moralische Unterstützung.

 

Kontaktadresse:

Carlo BIRSCHEIDT

Wehrleiter

62, rue principale

L-7450 Lintgen

Tel.: 32 60 04

GSM: 621 130 372

E-Mail: carlo.birscheidt@secours.etat.lu

 

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